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Ein verrückter Astrophyt

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Ein verrückter Astrophyt - Seite 2 Empty Re: Ein verrückter Astrophyt

Beitrag  pisanius am So 23 Okt 2016, 23:39

Cristatahunter schrieb:Lieferant für Mutantenstaub. STARDUST

Lasst uns darüber diskutieren, wer die Gitarre spielen sollte.
Nicht über die Pflanzen
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Anzahl der Beiträge : 1021

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Ein verrückter Astrophyt - Seite 2 Empty Re: Ein verrückter Astrophyt

Beitrag  Manfrid am Do 26 Jan 2017, 11:05

Hallo,
ich will hier durchaus nicht denen widersprechen, die diese Burschen nicht besonders ästhetisch finden. Aber interessant sind sie schon. Sogar ziemlich. Es ist doch auch nicht so, dass da gar keine Regelmäßigkeit erkennbar wäre. Wenn man sich z.B. das erste Bild vom 27. Juli ’16 anschaut, da kriegt man schon einen Zugang zu der Sache. Die merkwürdigen, brötchenartig aufgebrochenen Stellen befinden sich bei jeder Zipfelmütze nach innen gewandt an der Spitze. Dazu das „Fehlen“ des Sprossscheitels. Irgendwo muss er hingeraten sein. Ferner die Verzweigung, kräftige Kindelbildung. Da weicht das Wachstum aus, weil eben der Sprossscheitel flöten gegangen ist.

Ich mache in Anknüpfung an Früheres mal einen Vorschlag: Die aufgebrochenen Spitzen in der Areolennachbarschaft haben etwas mit dem Verschwinden des Scheitels zu tun. Die einzelnen Zipfel/Areolen haben die Scheitelrolle partiell übernommen. Das Wachstum fließt zunächst stark dort hinein, kommt aber nicht zur Bildung neuer Areolen und reißt das Gewebe auf. Wenn es nicht weitergeht, weicht es auf den nächstjüngeren Zipfel aus und tut dort dasselbe u.s.w., bis infolge der Schwächung bzw. Verteilung des Spitzenwachstums auf Zipfel auch keine neuen Zipfelanlagen mehr gebildet werden konnten und als weitere Ventile für das Wachstum zur Verfügung stehen. Dann wird auf tiefere Knospen ausgewichen, es werden Kindel gebildet, und das Ganze beginnt von vorn.

Es läge also eine gewisse Unentschiedenheit der Areolen/Zipfel vor: Sie bekommen stärker als normalerweise außer ihrem Seitenmeristem-Charakter auch Hauptsprossspitzen-Charakter. (Sieht man ja auch an der angedeuteten Rippenbildung auf den Zipfelspitzen.) Und die jüngeren Zipfelanlagen bekommen dadurch auch gleich wieder einen stärkeren Kindel- und dadurch Achsencharakter.

Ich vermute mal, dass die Zipfelmützenbildung bei Astrophytum, also die Verlängerung der Areolen, generell schon etwas mit dem gesteigerten Hauptachsencharakter dieser seitlichen Bildungen zu tun hat. Wir hatten ja auch schon mal Fälle besprochen (https://www.kakteenforum.com/t3363p70-a-myriostigma-zipfelmutze), wo tatsächlich auf einem Zipfel mehrere Areolen wie an einer Hauptachse bzw. Rippe (als Teil einer Hauptachse) entstanden und Zipfelmützen-Astrophyten „rückfällig“ (zur Form ohne Zipfel) wurden.

Bezüglich des Aufreißens an den Spitzen wäre nun auch wieder an Früheres zu erinnern: Hier (https://www.kakteenforum.com/t8648p30-astrophytum-asterias-cv-hanazono#207350) hatte ich u. a. anhand eines Astros, der aus den Zwischenrippen-Spalten Kindel gebildet hatte, die These entwickelt, dass überhaupt Sprossmeristem-Bildung auf einer Art regulärer Zerreißung, Wundkallusbildung und Regeneration beruht. Ebenso sprach dafür, dass die Beflockung bzw. die Maculae bei den Hanazonos wohl auf ein Reißen der Oberhaut zurückzuführen ist, und dass eben auch da schon eine starke Areolenähnlichkeit bis hin zu wirklichen Knospenbildungen vorkommt. (vgl. auch hier: https://www.kakteenforum.com/t9924-zwischenrippen-wo-und-wie#101097. Auch die „Akne“ von Stefans Astro hier https://www.kakteenforum.com/t20064-sind-das-pickel-akne-oder-sonst-was#221176 würde ich auf Zerreißung um die Areolen zurückführen.)

So hätten wir bei dem hier vorgestellten „anarchistischen“ Exemplar an den Spitzen Zerreißungen infolge des einfließenden Wachstums, nur keine daraus folgende deutliche Meristemregeneration – möglicherweise, weil das entsprechende Wachstum vorher schon wieder an andere Stellen ausweichen konnte, oder weil die Zerreißung zu heftig ist. Jedenfalls wieder ein Fall mit regelmäßigen Zerreißungen bei Astrophytum und ein Hinweis, dass das mit Scheitelmeristem-Bildung zu tun hat.

Ich weiß schon, Stefan ‚Christatahunter’ liebt die Kakteen gerade deshalb, weil sie ihm vital genug erscheinen, „alles zu können“ und sich dabei von keinen Regeln einschränken zu lassen. Wenn ich hier doch wieder die Regellosigkeit in Frage stelle, so muss er sich bei Daniel ‚Echinopsis’ beschweren. Der hat mir damit geschmeichelt, dass ihm seit geraumer Zeit meine Einmischung im Forum fehlen würde. Meine Arten- und Sortenkenntnisse bei KuaS und entsprechende Kulturerfahrungen sind gegenüber denen der richtigen Sammler hier zu vernachlässigen. Also können ihm nur meine morphologischen Beiträge inklusive gewagter Thesen gefehlt haben. So musste ich halt wieder mal eine liefern. Und ich muss gestehen, es fiel mir nicht mal schwer, mich angesichts dieses verrückten Kerls von Astrophytum dafür zu begeistern. Der zeigt doch mal deutlich, was sich gewiss auch sonst an jedem Sprossscheitel jeder Pflanze an „schwierigen Entscheidungen“ zwischen Haupt- und Nebenmeristemen (die ja zunächst kaum unterschieden sind) abspielt.

Freundliche Grüße!

Manfrid
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Ein verrückter Astrophyt - Seite 2 Empty Re: Ein verrückter Astrophyt

Beitrag  cactuskurt am Do 26 Jan 2017, 11:50

Manfrid schrieb:Hallo,
ich will hier durchaus nicht denen widersprechen, die diese Burschen nicht besonders ästhetisch finden. Aber interessant sind sie schon. Sogar ziemlich. Es ist doch auch nicht so, dass da gar keine Regelmäßigkeit erkennbar wäre. Wenn man sich z.B. das erste Bild vom 27. Juli ’16 anschaut, da kriegt man schon einen Zugang zu der Sache. Die merkwürdigen, brötchenartig aufgebrochenen Stellen befinden sich bei jeder Zipfelmütze nach innen gewandt an der Spitze. Dazu das „Fehlen“ des Sprossscheitels. Irgendwo muss er hingeraten sein. Ferner die Verzweigung, kräftige Kindelbildung. Da weicht das Wachstum aus, weil eben der Sprossscheitel flöten gegangen ist.

Ich mache in Anknüpfung an Früheres mal einen Vorschlag: Die aufgebrochenen Spitzen in der Areolennachbarschaft haben etwas mit dem Verschwinden des Scheitels zu tun. Die einzelnen Zipfel/Areolen haben die Scheitelrolle partiell übernommen. Das Wachstum fließt zunächst stark dort hinein, kommt aber nicht zur Bildung neuer Areolen und reißt das Gewebe auf. Wenn es nicht weitergeht, weicht es auf den nächstjüngeren Zipfel aus und tut dort dasselbe u.s.w., bis infolge der Schwächung bzw. Verteilung des Spitzenwachstums auf Zipfel auch keine neuen Zipfelanlagen mehr gebildet werden konnten und als weitere Ventile für das Wachstum zur Verfügung stehen. Dann wird auf tiefere Knospen ausgewichen, es werden Kindel gebildet, und das Ganze beginnt von vorn.

Es läge also eine gewisse Unentschiedenheit der Areolen/Zipfel vor: Sie bekommen stärker als normalerweise außer ihrem Seitenmeristem-Charakter auch Hauptsprossspitzen-Charakter. (Sieht man ja auch an der angedeuteten Rippenbildung auf den Zipfelspitzen.) Und die jüngeren Zipfelanlagen bekommen dadurch auch gleich wieder einen stärkeren Kindel- und dadurch Achsencharakter.

Ich vermute mal, dass die Zipfelmützenbildung bei Astrophytum, also die Verlängerung der Areolen, generell schon etwas mit dem gesteigerten Hauptachsencharakter dieser seitlichen Bildungen zu tun hat. Wir hatten ja auch schon mal Fälle besprochen (https://www.kakteenforum.com/t3363p70-a-myriostigma-zipfelmutze), wo tatsächlich auf einem Zipfel mehrere Areolen wie an einer Hauptachse bzw. Rippe (als Teil einer Hauptachse) entstanden und Zipfelmützen-Astrophyten „rückfällig“ (zur Form ohne Zipfel) wurden.

Bezüglich des Aufreißens an den Spitzen wäre nun auch wieder an Früheres zu erinnern: Hier (https://www.kakteenforum.com/t8648p30-astrophytum-asterias-cv-hanazono#207350) hatte ich u. a. anhand eines Astros, der aus den Zwischenrippen-Spalten Kindel gebildet hatte, die These entwickelt, dass überhaupt Sprossmeristem-Bildung auf einer Art regulärer Zerreißung, Wundkallusbildung und Regeneration beruht. Ebenso sprach dafür, dass die Beflockung bzw. die Maculae bei den Hanazonos wohl auf ein Reißen der Oberhaut zurückzuführen ist, und dass eben auch da schon eine starke Areolenähnlichkeit bis hin zu wirklichen Knospenbildungen vorkommt. (vgl. auch hier: https://www.kakteenforum.com/t9924-zwischenrippen-wo-und-wie#101097. Auch die „Akne“ von Stefans Astro hier https://www.kakteenforum.com/t20064-sind-das-pickel-akne-oder-sonst-was#221176 würde ich auf Zerreißung um die Areolen zurückführen.)

So hätten wir bei dem hier vorgestellten „anarchistischen“ Exemplar an den Spitzen Zerreißungen infolge des einfließenden Wachstums, nur keine daraus folgende deutliche Meristemregeneration – möglicherweise, weil das entsprechende Wachstum vorher schon wieder an andere Stellen ausweichen konnte, oder weil die Zerreißung zu heftig ist. Jedenfalls wieder ein Fall mit regelmäßigen Zerreißungen bei Astrophytum und ein Hinweis, dass das mit Scheitelmeristem-Bildung zu tun hat.

Ich weiß schon, Stefan ‚Christatahunter’ liebt die Kakteen gerade deshalb, weil sie ihm vital genug erscheinen, „alles zu können“ und sich dabei von keinen Regeln einschränken zu lassen. Wenn ich hier doch wieder die Regellosigkeit in Frage stelle, so muss er sich bei Daniel ‚Echinopsis’ beschweren. Der hat mir damit geschmeichelt, dass ihm seit geraumer Zeit meine Einmischung im Forum fehlen würde. Meine Arten- und Sortenkenntnisse bei KuaS und entsprechende Kulturerfahrungen sind gegenüber denen der richtigen Sammler hier zu vernachlässigen. Also können ihm nur meine morphologischen Beiträge inklusive gewagter Thesen gefehlt haben. So musste ich halt wieder mal eine liefern. Und ich muss gestehen, es fiel mir nicht mal schwer, mich angesichts dieses verrückten Kerls von Astrophytum dafür zu begeistern. Der zeigt doch mal deutlich, was sich gewiss auch sonst an jedem Sprossscheitel jeder Pflanze an „schwierigen Entscheidungen“ zwischen Haupt- und Nebenmeristemen (die ja zunächst kaum unterschieden sind) abspielt.

Freundliche Grüße!

Manfrid

Manfrid sehr interessante Erklärung danke dir dafür
LG Kurt
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