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Kunterbunte Anfängerfragen

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Kunterbunte Anfängerfragen

Beitrag  Satoru am So 19 März 2017, 11:25

Liebe Kakteenfreunde,
sm1
mir sind so einige Fragen aufgekommen bzgl. Haltung etc.

1. Frage
Wieso werden Kakteen im Winter nicht gegossen? Wenn ich mir z.B. die Klimatebellen und Niederschlagswerte von Mexiko anschaue fällt doch auch im Winter Regen, wenn auch viel weniger.
Hatte bis jetzt auch immer im Winter leicht gegossen und auch nie Verluste über den Winter verbuchen können.

2. Frage
Wenn "ich" Samen produzieren möchte, dann muss ich doch solange der Kaktus nicht selbstfertil ist ihn mit einer anderem Kaktus derselben Sorte und einem Pinsel bestäuben. Ich habe gelesen, dass man darauf achten muss dass es die selbe Sorte ist, da sonst Hybriden entstehen, deswegen decken manche ihre Kakteen auch ab (Fliegengitter), wenn sie blühen.
Müsste dann nicht die Natur voller Hybriden sein? Ich denke nicht, dass Insekten nur auf einer bestimmten Art und Gattung landen  grinsen2

3. Frage
Blüht jeder Kaktus? Wenn nein, wie pflanzt er sich fort?

4. Frage
Rekorde und Kuriositäten in der Welt der Kakteen:
Hier würde ich gerne mehr wissen, hab etwas recherchiert aber nicht wirklich was gefunden.
Welcher Kaktus hat die größte Blüte?  Welcher wächst am schnellsten/langsamsten? Welcher produziert die meisten Samen? Welcher ist der häufigste/seltenste? Welcher ist der wertvollste? etc.
Vielleicht könnte man hierzu auch eine kleine Sammlung aus Fragen und Antworten machen.

Hatte früher mal von einem Kaktus gelesen, der sich fortbewegen kann. Alte Wurzeln sterben ab und neue werden so gebildet, dass er sich während seines Lebens ein paar Meter fortbewegt. Hat davon auch wer anders, gelesen und kann mir die genaue Bezeichnung nennen?

Liebe Grüße
Saturo *Kaktus*
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Re: Kunterbunte Anfängerfragen

Beitrag  Shamrock am So 19 März 2017, 11:52

Moin Satoru,

ohne dir zu nahe treten zu wollen, aber nutz doch mal die foreninterne Suchfunktion. Ich bin mir sicher, dass da alle deine Fragen bereits beantwortet wurden... Gut, aber dir zuliebe erfinde ich das Rad halt mal wieder neu. Zumindest in Kurzform.

Frage 1: Wurde rund vor einem halben Jahr hier ausgiebig diskutiert und beantwortet. Kurz gesagt: Wie willst du den Kakteen hier in Mitteleuropa genug Licht für ein vernünftiges Wachstum im Winter bieten, wenn schon das Licht im Hochsommer nur ein Bruchteil von dem am Standort ist? Zudem fördert praktischerweise eine Winterruhe die Blühfreudigkeit im Sommer.
Wohnst du näher am Äquator oder hast Flutlichtmasten zuhause, dann kannst du im Winter natürlich auch bequem durchkultivieren. Wink

Frage 2: Durch entfernt voneinanderliegende Vorkommen, durch Hybridisierungssperren (schließlich kann man auch in Kultur nicht alle nah verwandten Arten miteinander hybridisieren) usw.
Zudem findet man durchaus auch Naturhybriden.

Frage 3: Ja, Kakteen sind Blühpflanzen. Auch die Säule, die Jahrzehnte bis zur Blühfähigkeit braucht. Schwierig wird´s nur bei manchen monströsen Kulturauslesen, aber auch die blühen manchmal. Ansonsten gibt´s natürlich auch noch die vegetative Vermehrung, was aber auf Dauer nicht unbedingt den Genpool zugute kommt.

Frage 4: Größte Blüte könnte der Selenicereus grandiflorus sein.
Am langsamsten wachsen kleinbleibende Kakteen (beispielsweise Blossfeldia als kleinster Kaktus überhaupt) und am schnellsten große Säulen oder diverse Opuntien. Kommt aber immer auch auf die äußeren Umstände (Wetter, Standort, etc.) an. Somit sind solche Fragen sowieso nur relativ zu beantworten.
Am häufigsten sind Kakteen mit riesigen Verbreitungsgebieten. Macht es Sinn da welche herauszuheben? Und am seltensten natürlich welche, die sich nur auf ganz kleine Vorkommen beschränken. Auch da gibt´s viele. Manche haben in freier Wildbahn nur noch eine Population mit wenigen fortplanzungsfähigen Exemplaren und sind in Kultur dagegen extrem häufig (Echinocactus grusonii z.B. - ist der jetzt selten oder häufig?).
Am wertvollsten ist eine sinnlose, menschliche Betrachtungsweise. Hierzu verweigere ich jede Auskunft! Höher, schneller, weiter ist nicht im Sinne der Arterhaltung.

Zu deiner letzten Frage dann doch ein etwas abkürzender Link: https://www.kakteenforum.com/t23355-wie-bandigt-ihr-eure-kriechenden-teufel-stenocereus-eruca

Ich hoffe, ich konnte mit meinen Kurzausführungen deinen Wissensdurst halbwegs stillen.

Liebe Grüße - Shamrock (aka Matthias)


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Re: Kunterbunte Anfängerfragen

Beitrag  plantsman am So 19 März 2017, 12:01

Moin Saturo,

zu Frage 1:
unsere Kultur kannst Du nicht mit den Bedingungen am Standort vergleichen. Faktoren wie Wind, Temperaturschwankungen, Exposition, Sonneneinstrahlung, Wuchsort (z.B. Felsspalte oder Schwemmebene) usw. finden in den Gewächshäusern und Zimmern hier bei uns nicht statt bzw. können nicht kopiert werden. Wir halten sie bei uns trockener und kühler als an den natürlichen Wuchsorten, damit sie in unseren einstrahlungsarmen Wintern nicht wachsen und auch, weil das zu viel an Wasser nicht schnell genug verdunsten kann. Die Wasservorräte, die die Pflanzen in Kultur aufbauen könn, reichen unter diesen Bedingungen im Allgemeinen, um gut über den Winter zu kommen. Man sollte sich aber natürlich über die artspezifischen Bedürfnisse schlau machen, Gymnocalycium friedrichii kann z.B. nicht mit Pediocactus paradinei verglichen werden.

Zu Frage 2:
In der Natur gibt es relativ wenig Hybriden. Das hat zeitliche (unterschiedliche Blütezeiten, saisonal oder Tageszeit), geographische (zwei nahe verwandte Arten kommen nicht im gleichen Gebiet vor), chemische (trotz gleicher Blüte unterschiedliche Düfte), morphologische (die Narbenoberfläche lässt nur Pollen der gleichen Art zu) und genetische (unterschiedliche Chromosomenzahl der Eltern, Sämlinge sind nicht lebensfähig) Gründe. Das sind nur ein paar Beispiele, warum das so ist.

Zu Frage 3:
Normalerweise blüht jeder Kaktus irgendwann mal. Es gibt aber, meist bei den Opuntien-verwandten, ein paar Typen, die zwar blühen, durch brüchige Glieder oder proliferierende Früchte aber hauptsächlich auf vegetative Vermehrung setzen. Trotzdem werden auch Samen ausgebildet um die genetische Rekombination zu ermöglichen.

Zu Frage 4:
Viele Deiner Fragen müssten durch Recherchen eigentlich herauszufinden sein. Wobei ich persönlich die Fragen nach dem "wertvollsten" Kaktus nicht so mag. Aus menschlicher Sicht gibt es sicher sehr begehrte Arten und es greift das Prinzip von "Angebot und Nachfrage" und man kann von "wertvoll" reden, biologisch ist sie aber irrelevant. Alle Lebewesen sind eigentlich gleich wertvoll. Darüber kann man natürlich trefflich diskutieren und so eine Diskussion will ich hier nicht anstossen!
Schwierig auch zu beurteilen, welcher Kaktus der häufigste oder seltenste ist. In beiden Fällen kann man nie die genaue Population erfassen. Bei den häufigen ist es unmöglich alle Individuen zu zählen, bei den seltensten kann man viele Individuen eventuell gar nicht sehen weil sie kryptisch wachsen oder weil man noch gar nicht alle Standorte kennt bzw. gefunden hat.

Der von Dir gesuchte Kaktus ist Stenocereus eruca, der "Creeping Devil". Es ist aber kein Alleinstellungsmerkmal, er ist nur der bekannteste. Einige andere Säulenkakteen, z.B. der peruanischen Küstenwüsten, bewegen sich genau so fort. Es gibt also ein handvoll mehr, die das können.

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Re: Kunterbunte Anfängerfragen

Beitrag  Satoru am So 19 März 2017, 12:41

Vielen Dank für eure Antworten und die Zeit dir euch genommen habt! Das klingt für mich alles sehr vernünftig.

@Matthias:
- Die Blüte von elenicereus grandiflorus sieht ja echt beeindruckend aus!
- Mit selten hab ich natürlich in freier Wildbahn gemeint. Habe etwas recherchiert und auf Wikipedia die Rote Liste der gefährdeten Kakteenarten, der Echinocactus grusonii, ist natürlich ein drastisches Beispiel.
- Ich denke den größten Artenschutz erhält man durch Interesse und das wurde bei mir auf jedenfall geweckt.
- Danke für den Link mit dem kriechenden Teufel.

@plantsman:
- Deine Erklärung bzgl der Naturhybriden hat mir sehr geholfen, aber woher weiß man dann überhaupt, wenn man eine neue Art entdeckt, dass es ein Hybride ist und nicht eine neue Gattung?

@alle:
Tut mir leid wenn die Frage nach dem wertvollsten Kaktus falsch rüberkam. Ich bin auch kein Fan von höher, schneller weiter! Das war ganz ohne Wertung gemeint. Vielleicht hätte ich nicht den Begriff "wertvoll" verwenden sollen.
Das war eher so gemeint, ob es vielleicht eine Art gibt die nur sehr selten blüht und sehr wenige Samen produziert, so dass für uns als Hobbypfleger, der finanzielle Wert sehr hoch ist. Ist aber auch egal, lassen wir das.

Liebe Grüße
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Re: Kunterbunte Anfängerfragen

Beitrag  Shamrock am So 19 März 2017, 13:28

Es gab übrigens in früheren Zeiten sogar mal einen Kaktus, welcher in Gold aufgewogen wurde...
Zum Thema selten gibt´s leider, leider sehr viele Beispiele. Arrojadoa marylanae beispielsweise. Nur ein Fundort, welcher auch noch munter platt gemacht wird.
Und eben: Im Habitat gehen sich verwandte Kakteen sogar mit den Uhrzeiten der Blütenöffnung aus dem Weg, um Hybridisierungen zu vermeiden.

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Re: Kunterbunte Anfängerfragen

Beitrag  tks am So 19 März 2017, 13:49

Satoru schrieb:Welcher ist der wertvollste?
Gerade bei Ebay gesehen: http://www.ebay.de/itm/370869837497 Shocked
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Re: Kunterbunte Anfängerfragen

Beitrag  kaktusgerd am So 19 März 2017, 14:04

Der geistert schon seit Jahren im Netz herum.
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Re: Kunterbunte Anfängerfragen

Beitrag  plantsman am So 19 März 2017, 14:42

Satoru schrieb:
@plantsman:
- Deine Erklärung bzgl der Naturhybriden hat mir sehr geholfen, aber woher weiß man dann überhaupt, wenn man eine neue Art entdeckt, dass es ein Hybride ist und nicht eine neue Gattung?

Oft wissen es die Botaniker gar nicht. Natürlich gibt es auch sehr offensichtliche Hybriden, aber im Allgemeinen wird erst eine gründliche Untersuchungen der DNA und/oder Kreuzungsexperimente, aber auch das nicht immer, konkretere Antworten bei vermuteten Hybriden ergeben. Es ist nämlich sehr schwer, am Standort oder auch in Kultur zu erkennen, ob eine Hybride vorliegt oder nur eine konvergente Entwicklung oder tatsächlich eine eigene Art, die nur aussieht, wie eine Hybride. Sie ist möglicherweise durch Hybridisierung entstanden, dieses Ereignis kann aber schon ein paar tausende von Jahren zurückliegen. Die Natur lässt sich halt nicht so einfach kategorisieren.

Schon das erkennen einer neuen Art ist nicht einfach. Man muss die Formenvielfalt bekannter Arten kennen, wissen, welche Merkmale einer Pflanzengruppe relevant für die Einordung als neue Art sind und heutzutage kommen auch hier DNA-Studien zu ihrer Anwendung.
Diese haben die Ordnung der Pflanzen trotzdem nicht einfacher gemacht, denn einerseits sind sehr variable Pflanzengruppen, die man morphologisch eventuell als verschiedene Arten ansprechen könnte, genetisch kaum verschieden und sollten eine Art ergeben. Andererseits gibt es auch morphologisch recht einheitliche Populationen, die sich genetisch derart unterscheiden, dass man sie als eigene Arten führen müsste. Diese nennt man kryptische Arten. Dazwischen gibt es dann alle möglichen Übergänge.

Hoffentlich entmutigen meine Ausführungen nicht zu sehr.

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Re: Kunterbunte Anfängerfragen

Beitrag  Satoru am Do 30 März 2017, 08:22

@plantsman: Danke für die ausführliche Erläuterung, auch wenn ich nicht alles verstehen konnte Laughing
Das ist ein sehr interessantes Thema, da bekommt man Lust ein passendes Buch in die Hand zu nehmen und sich ein bißchen in das Thema einzulesen.
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