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Bewurzelung eines Gymnocalycium spegazzinii ungispinum

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Bewurzelung eines Gymnocalycium spegazzinii ungispinum

Beitrag  Spickerer am Do 23 Aug 2018, 20:24

Hallo zusammen,
heute habe ich mal einen Erfahrungsbericht für Euch. Ich schaffte mir im vergangenen Spätsommer einen nicht zu kleinen, gepfropften Gymnocalycium spegazzinii var. ungispinum an. Diese Form war  und ist leider oft nur gepfropft erhältlich. Da ich keine guten Erfahrungen mit seiner Unterlage, einem kälteempfindlichen Cereus, und auch nicht viel Interesse an Pfropfungen habe, trennte ich ihn im September 2017 von der Unterlage ab. Dabei stellte ich besorgt fest, dass sie schon sehr weit in den Pfröpfling hinein reichte. Der Pfröpfling wölbte sich praktisch über seine Pfropfunterlage. Ich musste gut die Hälfte der Pflanze mit der Klinge (Skalpell) entfernen, wie man an den Dornen erkennen kann, um an reines Pflanzengewebe zu gelangen. Dadurch entstand leider eine sehr große Schnittfläche an der breitesten Stelle der Pflanze, die ich sofort mit Aktivkohle betupfte. Damit er gut abtropfen konnte, stellte ich ihn in ein klares Glas und brachte ihn zum Überwintern in unseren Wintergarten (etwas beheizt). Ab November befüllte ich die untere Hälfte des Glases mit Wasser um ihn daran "riechen" zu lassen. Er sollte wissen, dass er jederzeit loslegen könnte mit seinem Bewurzeln. So überwinterte er zwischen den Epicacteen, bis ich ihn im April wieder ins Gewächshaus brachte. Dort kam er an eine Stelle im Kakteenhaus, die weit oben, aber völlig ohne Sonne war um ihn zu schonen. Über das mit etwas Wasser gefüllte Glas zog ich dann einen kleinen durchsichtigen Beutel, damit es zu einer gespannten Luft käme. Ich kontrollierte ihn regelmäßig und schon bald, so Anfang Mai etwa, stellte ich fest, dass am Rand des Leitbündels eine Wurzelspitze durchstieß.

Jetzt nahm ich einen runden Blumentopf aus Kunststoff und befüllte ihn mit dem üblichen Substrat für Gymnocalycium. Da der Pflanzenkörper mittlerweile stark geschrumpft und nach innen gewölbt war, musste ich eine vermittelnde Brücke zur Wurzel bauen. Ich mischte also Aussaaterde mit Vogelsand und türmte in der Mitte einen kleinen Hügel auf, über den ich den hohlen Pflanzenkörper stülpte. Über dieses Bauwerk zog ich wieder einen klaren Kunststoffbeutel und stellte ihn im Sonnenschatten auf eine Untersetzer, in den ich von Außen jederzeit Wasser befüllen konnte. Regelmäßig beobachtet ich und bemerkte bald das er sich im Topf setzte und von dem kleinen Hügel in der Mitte nichts  mehr  zu erkennen war. Ende Juni stellte ich bereits fest, dass er irgendwie fest saß und entfernte den Kunststoffbeutel. Jetzt bekam er auch die erste Sonne in kleinen Dosierungen. Bald schon sah er besser aus, saugte sich voll und bekam eine bessere Farbe. Ein Test vor drei Tagen zeigte, dass er jetzt schon sehr fest sitzt und sich förmlich am Substrat festkrallt. Er hat also Wurzeln gebildet und muss ab sofort vorsichtig behandelt werden. Bald geht er in den zweiten Winter bei mir und wird hoffentlich im kommenden Frühjahr seine Wurzeln weiter entwickeln und dann loswachsen. Ich werde ihn wohl wieder zwischen den Epicacteen bei annehmbarer Temperatur überwintern. Hier jetzt noch die Bilder dazu.


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Im Originalzustand, noch auf dem kälteempfindlichen Cereus sitzend.


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Abgeschnitten, mit Aktivkohle betupft und auf ein Glas, zunächst zum Trocknen und später zum Überwintern gesetzt, dann auch mit Wasser.


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Die stark geschrumpfte Pflanze bekommt eine Wurzelspitze am Leitbündelzylinder.


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Sofort wird die Pflanze auf ein Substrat gebracht (Beschreibung oben im Text) um den sich entwickelnden Wurzeln sicheren halt zu bieten.


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Zunächst war die Pflanze noch etwas geschwächt, machte sich dann aber und wuchs an.


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So sieht die Pflanze jetzt aus. Sie sitzt fest auf das Substrat gedrängt, hat eine gute Farbe bekommen und saugt sich wieder voll, wie man an den sich ausdehnenden Furchen zwischen den Rippen sehen kann.

Ich hoffe, ich konnte einigen von Euch mit diesem Experiment Mut machen, den "Schnitt", auch im Herbst, doch zu wagen.

Gruß, Spickerer

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Re: Bewurzelung eines Gymnocalycium spegazzinii ungispinum

Beitrag  Cristatahunter am Do 23 Aug 2018, 22:42

Ich möchte dir zu deinem Erfolg gratulieren.
Hat das Gymnocalycium noch mehr Wurzeln aus den Leitbündeln gemacht. Ich habe die Erfahrung gemacht das Winterwurzeln qualitativ weniger gut sind als Sommerwurzeln. Im Winter werden vereinzelt Wurzeln gebildet die dann wie Einzelgänger allein bleiben und nur durch einen Strang den Kaktus versorgen. Sommerwurzeln bilden sich meist im Kranz also viele Wurzeln gleichzeitig.
Hat sich die Winterwurzel gebildet folgen keine zusätzlichen aus den Leitbündeln. Alle Nahrung muss durch diese einzelne Wurzel aufgenommen werden. Falls du dein Gymno. irgendwann umtopfen möchtest würde mich ein Foto von unten interessieren.
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Re: Bewurzelung eines Gymnocalycium spegazzinii ungispinum

Beitrag  Dropselmops am Do 23 Aug 2018, 23:02

Und wie entsteht eine Winterwurzel? Durch zuwenig Licht?
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Re: Bewurzelung eines Gymnocalycium spegazzinii ungispinum

Beitrag  Msenilis am Do 23 Aug 2018, 23:19

Hallo Spickerer,
ganz toll, was Du dir da für Mühe gegeben hast.
Aber dieser Kaktus ist es auch wert, freue mich auch immer wieder auf meinen.
Leider war bei der Aussaat nur ein einziger gekeimt.
Im übrigen habe ich noch nie Unterschiede zwischen Sommer- und Winterwurzeln festgestellt, außer natürlich, das im Winter
sowieso kaum neue Wurzeln gebildet werden, wenn die Pflanze nicht ziemlich warm gehalten wird, was oft zum vergeilen
führen kann.
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Re: Bewurzelung eines Gymnocalycium spegazzinii ungispinum

Beitrag  Cristatahunter am Do 23 Aug 2018, 23:20

Dropselmops schrieb:Und wie entsteht eine Winterwurzel? Durch zuwenig Licht?

Im Winter ist das Wachstum nur halbherzig.
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Re: Bewurzelung eines Gymnocalycium spegazzinii ungispinum

Beitrag  Dropselmops am Do 23 Aug 2018, 23:23

Das heißt, wenn ich mittels Zusatzlicht und Wärme dem Kaktus Sommer vorgaukele, dann produziert er Sommerwurzeln?
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Re: Bewurzelung eines Gymnocalycium spegazzinii ungispinum

Beitrag  Dietz am Do 23 Aug 2018, 23:26

Ich sags mal so : Bei optimalen Voraussetzungen (Temperatur Jahreszeit Luftfeuchte) sprich optimalen Wachstumsbedingungen bemüht sich die Pflanze extra schnell und effizient die fehlenden Wurzeln zu erneuern. In der Ruhezeit (meistens Winter) ist dieser Drang zur Wurzelbildung etwas gebremst.
Bei den Echinger Kakteen die ich im Oktober bzw. November behandelte war sehr dezente Wurzelbildung über den Winter zu beobachten . Erst als ich sie Frühjahr im warmem Wasserbad munter machte sowie einem neuerlichen Stecklingsschnitt unterzog , stellte sich nach geraumer Zeit eine zufriedenstellende Wurzelneubildung ein.


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Re: Bewurzelung eines Gymnocalycium spegazzinii ungispinum

Beitrag  Dietz am Do 23 Aug 2018, 23:32

[quote="Dropselmops"]Das heißt, wenn ich mittels Zusatzlicht und Wärme dem Kaktus Sommer vorgaukele, dann produziert er Sommerwurzeln?[/Quote
Kunstlicht ist hier meiner Meinung nach nicht gut geeignet. Man würde am Neutrieb der durchaus zu erwarten ist den Unterschied zum normalen Wachstum erkennen.
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Bewurzelung eines Gymnocalycium spegazzinii ungispinum

Beitrag  Spickerer am Fr 24 Aug 2018, 17:18

Hallo zusammen,
ich habe mich zu dem Schnitt entschlossen, weil ich die Unterlage fürchte. Sie verträgt einfach keine Kälte. Früher sind mir alle davon im Winter eingegangen, ich musste also was tun. Sie passt auch nicht gut zum Pfröpfling. Im Winter sollte die Pfllanze sich eigentlich nur mit der Bildung einer Schutzhaut an der Schnittstelle beschäftigen. Das Wasser habe ich erst um die Jahreswende in das Glas getan, damit er nicht so schnell schrumpft. So konnte er immer etwas Luftfeuchtigkeit aufnehmen. Die eigentliche Wurzelbildung geschah erst, nachdem er wieder ins Gewächshaus kam und es etwas wärmer wurde, so Anfang Mai etwa. Jetzt sitzt er erstmal fest auf dem Substrat und ich möchte ihn vorerst nicht berühren, um die Faserwurzelbildung nicht zu unterbrechen. Die Größe des Topfes erlaubt es ihm, etwa zwei bis drei Jahre in diesem Topf zu bleiben. Bis dahin müsste er eigentlich einigermaßen ins Wachsen gekommen sein. Wenn ich ihn dann umpflanze, werde ich daran denken und ein Bild für das Forum machen.

Ich habe mal eine alte Pflanze eines Ariocarpus retusus geschenkt bekommeen. Diese hatte keine Wurzeln mehr und war unten weiß und matschig. Ich habe sie ausgeschabt und trockengelegt, mit Kohlepulver betupft und später auf Vogelsand gesetzt. Regelmäßig kontrollierte ich die Unterseite und bald bildeten sich neue Wurzelspitzen, allerdings auch wieder in einer Art Höhle, da die Pflanze nach innen eingefallen war. Bei Pfahlwurzeln ist das schon fatal, aber im Laufe der Jahre erholt er sich so nach und nach. Er ist seit etwa 7 Jahren bei mir und seither nicht mehr gewachsen, wechselte aber seine Farbe von strohbräunlichgrün zu einer jetzt schon gesunden grünen Farbe. Der ehemals flache ausgelaugte Pflanzenkörper saugte sich voll und die Pflanze zeigt deutliche Dehnungserscheinungen aufgrund von Wasseraufnahme. Aber sie wächst im Scheitel noch nicht weiter. Im kommenden Jahr soll sie dann gedüngt werden und ich hoffe auf neues Wachstum. Es braucht also viel Geduld; irgendwann wird sie schon wachsen - hoffe ich wenigstens.

Gruß, Spickerer
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Bewurzelung eines Gymnocalycium spegazzinii ungispinum

Beitrag  Spickerer am Sa 08 Sep 2018, 12:53

Hallo,
hiermit melde ich mich nochmal zu diesem Thema. Seit meinem Artikel zeigt die Pflanze schon deutliche Fortschritte. Er ist jetzt so stark angeschwollen, dass er den anderen wurzelechten seiner Art, der vorher dicker war, an Dicke übertrifft. Auf dem beigefügten Bild kann man deutlich erkennen, dass sich die Pflanze ausdehnt und mit dem Wachstum beginnt. Er sitzt jetzt bombenfest im Substrat. Im Scheitel zeigen sich dazu auch schon neue Dornen und die bisher stillstehenden Dornen wachsen ebenfalls weiter. In etwa drei Wochen geht er in die Winterruhe, wie alle anderen auch. Man darf gespannt sein, wie er das hinnehmen wird. Ich werde weiter über die Entwicklung berichten wenn sich etwas Neues ergibt.

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Gruß, Spickerer
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