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Innerpflanzliche "Mutationen" bei Sedum sexangulare und anderem

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Innerpflanzliche "Mutationen" bei Sedum sexangulare und anderem Empty Innerpflanzliche "Mutationen" bei Sedum sexangulare und anderem

Beitrag  Manfrid Sa 12 Jan 2013, 22:36

Hallo,

Sedum sexangulare, der Milde Mauerpfeffer, ist ja nun, zumindest hier auf der Alb, nichts Rares. Aber warum in die Ferne schweifen...? Fasziniert hat er mich auch. Natürlich wegen seiner Blattstellung. Er heißt ja sexangulare, der sechseckige, weil seine Triebe oft im Querschnitt sechseckig sind. Dabei stehen dann immer drei Blättchen als "Mercedesstern" in einem Wirtel an einem Knoten, und der nächsthöhere bzw. nächsttiefere Wirtel steht genau auf Lücke. Jeder zweite Wirtel hat also die gleiche Stellung, und so ergeben sich die 6 geraden, zur Sprossachse parallelen Blattreihen.

Ebenso häufig sind aber auch Sprosse mit spiralig verdrehten Blattreihen. Zählen wir diese, so finden wir gewöhnlich, dass es 7 sind. Die ganze Blattstellung ist dabei notwendig eine völlig andere, nämlich die, die ich in meinem Beitrag über die "Rückschlagssprosse" für Sedum rupestre auch schon erwähnt hatte. Hier folgen sich Einzelblätter in einem Winkel von knapp 2/7 des Vollkreises. Weil man nach zwei Umgängen um den Stängel mit dem 8. Blatt noch nicht genau über dem 1. angekommen ist, darum formieren sich spiralige Blattreihen, Spirostichen und nicht Orthostichen. (Die Brüder Bravais haben in einer grundlegenden, 1839 erschienenen Studie gezeigt, dass der dabei idealerweise einzuhaltende Winkel von einem zum nächsten Blatt ein irrationaler Winkel von ca. 99.65° ist. Die waren ja genial genug, um auch die 14 Kristallklassen der Kristallografie aufzustellen. Aber tiefer in die Mathematik der Sache einzusteigen würde hier den Rahmen sprengen. Angedeutet sei nur, dass tatsächlich ideale Blattstellungen völlig exakt berechnet werden können. Nur spielen in der Realität immer auch noch gegenläufige Tendenzen in die Phänomene hinein, und dann steht man wieder vor neuen Rätseln...)

Also, hier mal ein Bild von so einem (allerdings gärtnerisch gut gefütterten) Polster mit den beiden verschiedenen Sprossformen:

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Und hier noch die Spitzen der beiden Formen in groß:

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"Merkmalsmäßig" betrachtet unterscheiden sich die Sprosse gleich in drei auffälligen Punkten. 1.) Rippenzahl, 2.) Rippenform (gerade bzw. spiralig), 3.) Blattstellung (wirtelig bzw. spiralig). Eine ziemlich heftige "Mutation"! Nur: Steigt man tiefer in die Sache ein, so sieht man eben, dass die "Merkmale" alle streng logisch miteinander verknüpft sind und gar nicht einzeln gezählt werden dürfen. (Kleiner Seitenhieb auf die sogenannte "numerische Taxonomie", die Verwandtschaften aufgrund der Anzahl übereinstimmender Merkmale bestimmen will...) Und die Tatsache, dass beide Sprossformen dauernd an derselben Pflanze auftreten, führt ja auch den Gedanken an das, was man gewöhnlich unter Mutation versteht, ad absurdum.

Ähnlich verschiedenartige Sprosse sind bei unseren lieben Sukkulenten sehr häufig anzutreffen. Die Arten mit starkem Dickenwachstum müssen schon auch während der Erstarkung eines Sprosses auf neue Verhältnisse umsteigen, was natürlich eine insgeheim ziemlich dramatische Sache ist, wenn man die Zusammenhänge bedenkt. Eine neue Rippe kann nicht einfach eingefügt werden, ohne dass sich die ganze, durch die Raumverhältnisse am Vegetationspunkt notwendige Ordnung der Augen (Areolen beim Kaktus) mit ändert. Daher finden Wechsel viel leichter in der besonderen, noch offenen Situation zu Beginn des Wachstums eines Sprosses statt und werden dann nach Möglichkeit festgehalten, "vererbt" sozusagen. Nur einen Spross fand ich bisher bei Sedum sexangulare, der den Wechsel von 6 zu 7 Rippen "unterwegs" vollzog: ...

Na, ich mache mal in einem neuen Beitrag weiter, damit das mit dem Bilder Hochladen wieder klappt. Oder gibt es da einen besonderen Trick, um die Felder für neue Einträge frei zu bekommen?

Bis bald!
Manfrid
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Innerpflanzliche "Mutationen" bei Sedum sexangulare und anderem Empty Re: Innerpflanzliche "Mutationen" bei Sedum sexangulare und anderem

Beitrag  Manfrid So 13 Jan 2013, 00:05

... Hier also das Bild mit den drei Sedum sexangulare-Trieben, von denen einer auf halber Strecke von der 6 zur 7 und von der geraden zur spiraligen "Kanten"form umgestiegen ist.

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Um zu illustrieren, wodurch am Sprossanfang labilere, für Neuerungen zugängliche Verhältnisse herrschen, greife ich mal auf Euphorbia mayuranthanii zurück - einfach, weil sie größer ist. (Aber nicht für frosthart halten, weil sie hier gezeigt wird...!) Die Art macht gern dreirippig-spiralige neben gerade vierrippigen Trieben mit kreuz-gegenständiger (dekussierter) Augenstellung:

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Zu Beginn der jungen Seitensprosse stehen sich, wie bei Dicotylen (zweikeimblättrigen Pflanzen) üblich, zwei erste Augen ("Vorblätter") rechts und links am Spross mehr oder weniger gegenüber. Leider unscharfer Bildausschnitt mit zwei jungen Seitensprossen:

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Es ist hier noch nicht ausgemacht, welches das erste, welches das zweite Blatt in einer beginnenden spiraligen Blattstellung wird, oder ob beide das erste Paar in einer nachfolgenden kreuz-gegenständigen Augenfolge werden. Alles ist noch möglich. Auch die Anordnung der nächsten beiden, mehr oder weniger quer dazu oben und unten erscheinenden Augen lässt noch viel offen. Entscheiden tut sich die künftige Augenanordnung dadurch, dass ältere Augen zu ganz bestimmten jüngeren eine Verbindung eingehen, die dann zum Anfang einer Rippe wird. Und da liegt am Anfang Verschiedenes ziemlich gleich nahe. Hier entscheidet sich durch feinste Einflüsse, ob Dekussation eintritt, oder ob drei linksdrehende oder drei rechtsdrehende Rippen entstehen. Und selbst, wenn die bei Sedum sexangulare auftretenden Stellungen meines Wissens bei Euphorbia mayuranthanii nicht zu finden sind, kann man auch sie und noch weitere Stellungen gut auf die hier gezeigte Anfangssituation zurückführen. Übungshalber kann man sich mal zurechtlegen, wie aus der gezeigten Anfangssituation miteinander alternierende Dreiergruppen von Augen hervorgehen können. Es ist nicht allzu schwer...

Wenn bei einer Züchtung "Rückschlagssprosse" mit ganz anderer Farbe u. s. w. auftreten, würde ich auch da von "Entordnungen" ausgehen, wie sie bei der Seitensprossbildung in Bezug auf die Blattstellung im regulären Entwicklungsgang der Pflanze immer wieder eintreten, und wo dann feinste Einflüsse große Wirkung bei der Neuordnung zeigen.

Und ob es sich bei "echten" Mutationen wesentlich anders verhält??

Nun provoziere ich aber nicht weiter...

Mit freundlichem Gruß - Manfrid
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