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Hybriden - wie werden die bestäubten Blüten markiert?

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Hybriden - wie werden die bestäubten Blüten markiert?

Beitrag  tepexicensis am Sa 11 Jun 2016, 08:01

Guten Morgen,
ich wurde letztens gefragt "wie man das macht" und ich hab davon keine Ahnung, daher die Frage an die Spezialisten:
Wenn man zwei Arten miteinander kreuzen möchte, wie markiert man die bestäubten Blüten, damit man Monate später noch weiß wer der Vater ist?
Ergänzend dazu: Es macht doch einen Unterschied welche Art den Pollen spendet und welche die Frucht bildet (funktioniert wohl nicht immer in beide Richtungen), oder? Sagt die Schreibweise etwas darüber aus? Wer steht vor dem X und wer dahinter?

Ööh, wieso ich das in Mitgliedervorstellung schreibe, weiß ich nicht... ist noch früh. Kann das jemand bitte kommentarlos verschieben. Embarassed
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Re: Hybriden - wie werden die bestäubten Blüten markiert?

Beitrag  Wühlmaus am Sa 11 Jun 2016, 08:44

Hallo Andreas,

wir in der AG Echinopsishybriden haben da ein ganz striktes System. Jeder offizielle Züchter hat ein Züchterkürzel. Meins ist zum Beispiel ESX. Daran kann man später zweifelsfrei erkennen, wer die Kreuzung gemacht hat, also der Züchter ist. Bestäuben wir nun eine Pflanze mit einer anderen, so bekommt die bestäubte Blüte als erstes Erkennungszeichen ein Kürzel, welches sich aus dem o. g. Züchterkürzel, dem Jahr der Bestäubung und der laufenden Nummer der in diesem Jahr durchgeführten Bestäubung zusammensetzt.

Angenommen, es handelt sich um die 12. Bestäubung, die ich im Jahr 2015 durchgeführt hätte, liest sich das so:

ESX.2015.12

Am besten ist es, man hängt an einem Faden ein wetterfestes Schildchen mit dieser Aufschrift an die bestäubte Blüte und - ganz wichtig - schützt die Blüte durch Zusammenbinden oder Überstülpen von Tüten oder Abdecken des Stempels mit Alufolie etc. vor Fremdbestäubung durch Insekten. Natürlich muss man schon vor dem Öffnen beider Blüten dafür sorgen, dass eine Fremdbestäubung nicht stattfindet. Zu diesem Zwecke holt man sich am besten die beiden zu bestäubenden Pflanzen rechtzeitig ins Haus und stellt sie in einen Raum, in dem es definitiv nicht summt und brummt. Man kann sich auch einen Kasten bauen, den man rundherum mit feinmaschigem Fliegengitter bestückt. Hier ist Erfindungsreichtum gefragt, je nachdem, wie häufig man so einen Bestäubungskasten benötigt, wie groß die zu bestäubenden Pflanzen sind and so on. Man kann natürlich auch sein komplettes Gewächshaus versuchen, insektensicher zu machen. Das ist Geschmackssache und hängt davon ab, wie professionell Du arbeiten willst. Bei meinen wenigen Kreuzungen, die ich mache, hole ich mir die Pflanzen lieber ins Haus und lasse darüber hinaus den Insekten in meinem Gewächshaus freien Durchflug.

Parallel dazu ist es zwingend notwendig, eine Liste anzulegen, wo diese Kreuzung näher beschrieben ist. Das ist das sogenannte Zuchtbuch, also die Aufzeichnungsdokumentation. (Man kann, wenn man Zeit und Muße hat, natürlich zusätzlich auch die Elternpflanzen noch auf dem Schildchen vermerken. Das ist aber alles in allem viel Arbeit, wenn man bedenkt, dass nicht jede Kreuzung auch klappt.)

In dieser Liste (Zuchtbuch), die man natürlich auch als Excel-Datei oder wie auch immer führen kann, werden dann zunächst die genauen Bezeichnungen der Elternpflanzen der Kreuzung eingetragen. Das sähe dann so aus zum Beispiel:

ESX.2015.12 EH Daydream (Schick) X EH Cassandra (Schick)

Als erstes wird immer die Mutterpflanze genannt, die die Frucht austrägt (ist ja klar, oder?). Nach dem X steht die Vaterpflanze, die den Pollen zur Verfügung gestellt hat.

Bei meinem Beispiel handelt es sich auch um Echinopsis-Hybriden, also keine botanischen Arten. Aber ganz genauso würde man es aufbauen, wenn man zwei unterschiedliche botanische Arten einer Gattung versucht zu kreuzen. Du fragst, ob es dabei immer funktioniert. Nein, das ist nicht der Fall. Versuch macht klug und mit der Zeit bei genauer Dokumentation und Beobachtung oder durch die Kontakte zu erfahreneren Züchtern kann man seine eigenen Schlüsse ziehen, was geht und was nicht bzw. man schöpft dann eben aus der Erfahrung der Züchterkollegen.

Es gibt sogar die Möglichkeit, einige wenige Gattungen untereinander zu kreuzen. Da gibt es aber meines Erachtens nur eine geringe Anzahl von Möglichkeiten. Hier zwingt man ja quasi Gattungen dazu, sich miteinander zu vermählen, die vielleicht in der Natur an völlig unterschiedlichen Standorten stehen und miteinander niemals auf natürlichem Wege miteinander in Kontakt kämen. Aber das ist schon ziemliches Spezialwissen, was viele Züchter natürlich reizt. Ich kenne mich damit nicht näher aus.

Das o. g. Zuchtbuch dient später dazu, den Werdegang der Kreuzung genau zu dokumentieren. Akribisch wird aufgeschrieben, wie die Samenernte war, die Aussaat, die aufgelaufenen Sämlinge, Umtopfen, Wachstum, Pflege usw.

Eines schönen Tages hat man dann hoffentlich die ersehnte erste Blüte dieser Kreuzung. Diese wird dann genau vermessen, beschrieben, fotografiert und mit einem genaueren Kürzel versehen. In meinem obigen Beispiel wäre ich Züchter und Aufzüchter zugleich, d. h., ich hege und pflege die Sämlinge bis zur ersten Blüte. In diesem Fall sieht die züchterische Bezeichnung der Sämlinge dann später so aus:

ESX.2015.15.1
ESX.2015.15.2
ESX.2015.15.3 usw.

Du siehst, es gibt fortlaufende Nummern, welche jeden einzelnen zur Blüte kommenden Sämling benennen. Somit ist gewährleistet, dass die entsprechende neue Pflanze eindeutig gekennzeichnet ist. In der AG Echinopsishybriden dürfen dann ganz außergewöhnliche Blüher unter streng einzuhaltenden Voraussetzungen einen "gefälligen Namen" bekommen, denn wer kann sich schon auf die Dauer so eine lange Buchstaben-Zahlen-Kombination merken? Wichtig dabei ist es, dass es diesen Namen in der weiten Welt der Hybriden nicht schon einmal gibt - das ist verdammt schwierig, herauszufinden.

Es gibt nun noch die Möglichkeit, dass nicht ich der Züchter dieser Kreuzung bin, sondern eine andere Person (die dann hoffentlich auch ein Züchterkürzel besitzt). Ich habe einige Samen seiner Kreuzung ausgesät oder aber einige bereits gewachsene Jungpflanzen von jemandem bekommen. Diese haben noch nicht geblüht.

Nehmen wir mal an, dass diese Kreuzung von Ernst Spangenberger, william-sii hier im Forum, gemacht wurde. Dann sähe beispielsweise mein erster blühender Sämling so aus:

ESP.2012.128.ESX.1

ESP ist hierbei das Züchterkürzel von Ernst. 2012 hat er diese Kreuzung durchgeführt und es war seine 128. Kreuzung im Jahr 2012. ESX bin dann wieder ich, und da mein Kürzel an zweiter Stelle, also nach der Kreuzungs-Nummer steht, erkennen wir, das ESP der Züchter und ESX der Aufzüchter ist. Die 1 hinter ESX bezeichnet dann wieder den ersten Sämling bei mir, der aus dieser Kreuzung geblüht hat. - So kann es geschehen, wenn viele Samen bei unterschiedlichen Aufzüchtern gelandet sind, dass es vorne immer dieselbe Kreuzungsnummer ist, aber hinten immer eine andere Buchstaben-Zahlen-Kombination steht. Zudem bin ich sicher, dass der Züchter ESP von seiner Kreuzung auch selbst Pflanzen großzieht. Seine geblühten Sämlinge würden dann wieder nach dem vorhergehenden Schema durchnummeriert (also ESP.2012.128.1....2.....3).

Natürlich wird mit der Weitergabe des Samens oder vielleicht der Sämlinge auch die komplette Litanei weitergegeben, also sowohl die Kreuzungsdaten als auch die Namen der gekreuzten Mutter- und Vaterpflanzen. Gehen diese Daten irgendwo verloren, kann man nur noch von einer "Echinopsis-Hybride ohne Kreuzungsdaten" bzw. "Züchter unbekannt" sprechen.

Ich hoffe, ich konnte einigermaßen Licht ins Dunkel bringen.

Wie Du auch siehst, habe ich Deine Frage mal ins Aussaatforum gepackt. Alternativ hätte sie auch bei den Einsteigerfragen platziert werden können.

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Re: Hybriden - wie werden die bestäubten Blüten markiert?

Beitrag  tepexicensis am Sa 11 Jun 2016, 09:28

Und das hast du mal eben geschrieben? Shocked Respekt! Vielen Dank!
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Re: Hybriden - wie werden die bestäubten Blüten markiert?

Beitrag  Phyllo am Sa 11 Jun 2016, 09:58

Hi
Ich habs zwar mehr mit Epikakteen, habe aber meine Bezeichnungsdaten an die der AG Echinopsishybriden angelehnt.
Auf's Etikett kommen soviel Daten wie möglich, also auch Elternteile usw. und diese Daten beidseitig notiert, um bei einem eventuellen Ausbleichen durch die Sonne noch genügend Lesbares zur Verfügung zu haben.
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Re: Hybriden - wie werden die bestäubten Blüten markiert?

Beitrag  Tarias am Sa 11 Jun 2016, 13:35

Wenn ich an einer Pflanze mehrere Blüten mit verschiedenen Vätern bestäube, verwende ich verschiedenfarbiges Garn, um die jeweilige Blüte zu kennzeichnen.
Ich notiere mir, welcher Papa welche Fadenfarbe bekommt, so kann ich im Spätsommer die Samenkapseln richtig zuordnen.
Ich kreuze vor allem kleinblüte Gattungen, da ist eine Kennzeichnung mit einem Schildchen am Faden nicht praktikabel.
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Re: Hybriden - wie werden die bestäubten Blüten markiert?

Beitrag  Jogler am Sa 11 Jun 2016, 13:53

Bei kleinen Blüten kann man auch verschiedenfarbige Nagellacke für die Makierung verwenden, denn es gibt Blüten, die sind sogar für dünnen Nähgarn zu klein bzw.  ziehen sich nach dem Abblühen zu schnell hinter die Dornen zurück.

LG

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Re: Hybriden - wie werden die bestäubten Blüten markiert?

Beitrag  tepexicensis am Sa 11 Jun 2016, 14:43

Wie bzw. wo macht man denn den Faden an den Blüten fest? Wickelt man den z.B. um die Blütenröhre oder den Fruchtknoten?
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Re: Hybriden - wie werden die bestäubten Blüten markiert?

Beitrag  benni am Sa 11 Jun 2016, 15:13

Ich stecke Stecknadeln mit farbigen Glasköpfen ins Substrat.
Geht auch, wenn´s nur wenige Kreuzungen sind und notiere
mir die Vorgänge.
Liebe Grüsse
benni
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Re: Hybriden - wie werden die bestäubten Blüten markiert?

Beitrag  Snuky am Sa 11 Jun 2016, 15:43

Sehr informativ und interessant. Danke dafür. :-)
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Re: Hybriden - wie werden die bestäubten Blüten markiert?

Beitrag  william-sii am Sa 11 Jun 2016, 16:28

tepexicensis schrieb:Wie bzw. wo macht man denn den Faden an den Blüten fest? Wickelt man den z.B. um die Blütenröhre oder den Fruchtknoten?
Ich verwende Plastiketiketten, in die ich mit dem Locher ein Loch gestanzt habe. Das Etikett wird mit dünnem Bindedraht kurz über dem Fruchtknoten angebracht. Der Draht hat den Vorteil, dass man ihn, falls die Blütenröhre beim Trocknen schrumpft, einfach noch mal fester zudrücken kann.
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