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Erfolgreiche Rebutia-Hybridisierung

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Doch nicht erfolgreiche Rebutia-Hybridisierung?

Beitrag  SFri am Fr 11 Nov 2016, 23:50

Leo, vielen Dank für deinen Beitrag! Ich hätte es mir eigentlich auch selbst denken können, aber ich tappe selbst auch noch viel zu oft in die beiden Denkfallen:

1. Kakteen einer Art von einem Standort sind immer uniform (gleiche Blütenfarbe, gleiche Bedornung, gleiche XYZ, reinerbig, …)

2. Fehlt bei einer Wildpflanze eine Farbe, fehlt immer das entsprechende Farbgen oder es ist defekt.

--> Beides falsch!

Jetzt, da wir wissen, dass R. senilis selbstfertil ist, ergibt sich ein völlig anderes Bild.

Um das für diesen Fall noch mal aufzudröseln:

a) Wahrscheinlich doch keine Hybridisierung mit einem pinken Vater, sondern eine Selbstbestäubung. Das bis auf die Blütenfarbe mit der Mutterpflanze übereinstimmende Aussehen und das Verhältnis von Gelb zu Rot von ungefähr ¾ zu ¼ sprechen ganz  stark dafür.

b) Die gelbe R. senilis war heterozygot für die Ausbildung des pinken Blütenfarbstoffs und homozygot für den gelben Blütenfarbstoff. Die roten Nachkommen (nochmals: Anteil ¼) bilden dann beide Blütenfarbstoffe, wodurch die rote Blütenfarbe zustande kommt. (Warum ich hier etwas umständlich mit dem Begriff „Ausbildung“ herumeiere, werdet ihr gleich noch sehen.)

c) Wegen des Anteils der roten Nachkommen von ¼ (und nicht ein Achtel) muss die Mutterpflanze der vermeintlichen Hybriden zwei funktionsfähige Allele für den pinken Blütenfarbstoff haben (ich will damit sagen: sie hat ein funktionsfähiges Gen von deren Mutter und ein weiteres funktionsfähiges Gen auf dem entsprechenden Paar-Chromosomen von deren Vater geerbt. Btw: Mutter und Vater können auch identisch gewesen sein = Selbstbestäubung.) Aber wieso blüht die Mutterpflanze dann gelb und nicht rot?

d) Die einfachste Erklärung hierfür ist ein weiteres Gen in der Mutterpflanze, das die Bildung des pinken Blütenfarbstoffes unterdrückt (ein sogenanntes Suppressor-Gen). Das Suppressor-Gen ist dominant. Wie das im Einzelnen funktioniert (es sind verschiedene Mechanismen denkbar), kann man von außen nicht sagen, aber das spielt eigentlich auch keine Rolle. Die Mutterpflanze der vermeintlichen Hybriden ist nun für dieses Suppressor-Gen heterozygot. Drei Viertel der Nachkommen bekommen eine oder zwei Kopien des funktionierenden Suppressor-Gens mit und bilden folglich nur gelbe Blüten aus, und ein Viertel der Nachkommen bekommt das Suppressor-Gen nicht ab. Dieses Viertel kann dann ungestört den pinken Blütenfarbstoff ausbilden und blüht dann folglich rot. Somit ein ganz normaler dominant-rezessiver Erbgang nach Mendel.

e) Wenn man die gelb blühenden Nachkommen dann jeweils selbstbestäuben würde, würde man feststellen, dass 1/3 von denen reinerbig in Bezug auf die Blütenfarbe wären und nur gelb-blühende Nachkommen hätten und 2/3 spalterbig und wieder in gelb zu rot im Verhältnis ¾ zu ¼ aufspalten würden (Mendelsche Genetik für Fortgeschrittene).

Warum die R. senilis-Population in der Natur sich bis jetzt nicht für nur eine Blütenfarbe entscheiden konnte, darf gerne spekuliert werden… Den Bienen scheint es egal zu sein. (Eine beliebte Erklärung ist, dass es für eine Population fast immer vorteilhaft ist, wenn sie möglichst variabel ist. Ändern sich die Selektionsbedingungen durch was auch immer (z.B. neue Bestäuber, die nur rote Blüten anfliegen), kann sich die Population schneller anpassen, weil die vorteilhaften Varianten möglicherweise schon irgendwo in ihr vorhanden sind.)

Zurück zum Thema Rebutia-Hybridisierung: Um eine Selbstbestäubung auszuschließen, hättest du (ich meine jetzt wieder Daniel Wink ) die Staubgefäße entfernen müssen, bevor der Pollen gereift ist. Ich stelle mir das so vor, dass man mit einer sehr feinen Schere erst die Blütenblätter einer sich entwickelnden Knospe teilweise entfernt und dann die Staubblätter vorsichtig irgendwo mittig abschneidet, ohne das Fruchtblatt (Narbe oder Griffel) zu verletzen. Dann wartet man, bis die Rest-Blüte aufblüht, und trägt den fremden Pollen auf die Narbe auf.

Ich habe das schon vielfach bei anderen Pflanzen gemacht, aber bei Kakteen (in meinem Fall Echinopsis) noch nicht. Man braucht ein wenig Übung dafür. Also erst ein paar Blüten zum Üben einplanen, bevor es an die wichtigen Blüten geht. Ich habe vor, es nächstes Jahr auch mal auszuprobieren (an Echinopsis Wink ).

Dann auf ein frohes Rebutia-Hybridisieren!
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SFri
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zu Rebutia, Mediolobivia und Co.

Beitrag  SFri am Sa 12 Nov 2016, 00:12

Noch ein kleiner Nachtrag zu Leo:

Es stimmt natürlich, dass das Lumping von Aylosteria, Mediolobivia, Sulcorebutia und Weingartia zu Rebutia falsch war. Nichtsdestotrotz besteht eine engere Verwandtschaft. Wieso sollte man nicht auch Hybridisierungen zwischen den Gattungen ausprobieren? Bei Echinopsis etc. gibt es das doch auch!
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SFri
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