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Was der Opa noch wusste - Kakteentipps von anno dazumal

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Meyers Konversationslexikon 1896

Beitrag  hibiscus2 am Do 09 Nov 2017, 22:42

In Meyers Konversationslexikon Bd.9, Bibliograpische Institut, Leipzig und Wien 1896
fand ich folgendes:
Kakteen..., ca. 900 Arten umfassende Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Opuntialen...
Vaterland d. K. ist Amerika. Nur eine Rhipsalis-Art ist außer in Amerika auch in Südafrika/Mauritius einheimisch...
Opuntia ficus indica ist in Südeuropa verwildert, und manche Arten halten noch in Norddeutschland ohne Schutz im Freien aus.
Man benutzt K. in der Heimat als Heckenpflanze, Brennmaterial, zu Türschwellen...
Es wird noch erwähnt, das mit den Kakteen auch noch Sukkulenten wachsen.
Mir fiel auf, daß Kakteen nur in Amerika heimisch sind und (wichtig!!) dort das Betreten eines Hauses ohne Schuhe zum Risiko wird.

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Re: Was der Opa noch wusste - Kakteentipps von anno dazumal

Beitrag  CO2 am Do 09 Nov 2017, 23:42

sensei66 schrieb:Da Nicotin im Körper auch vergleichsweise schnell abgebaut wird, kann man gar nicht so viel rauchen, dass man tot umfällt.
Ich geh dann mal eine quarzen...

Gott sei Dank! Ohne Nikotin würde etwas fehlen. Habe das Rauchen jetzt aufgegeben - aber nur bis zum Frühjahr. Unregelmäßigkeit beim Rauchen beugt Suchterscheinungen vor (und wenn schon, dann Pfeife! Das ist auch langfristig am kostengünstigsten Wink .

@ Matches

Wie ist denn der pH-Wert von "gutverrotteter Buchenlauberde"? Vllt. hat sie deshalb einen positiven Effekt auf das Wachstum?
Holzkohle benutze ich übrigens auch bei meinen wenigen Epis, weil man ihr ja antiseptische Eigenschaften nachsagt - und einfach weil wir sie hier herumstehen haben und sie das Substrat auflockert. Seit einiger Zeit mische ich der Epi-Erde auch Kaffeesatz bei zu etwa 10%, weil davon einfach sehr viel anfällt, er kaltes Wasser nicht absorbiert wird und er leicht sauer ist.
Man merkt keinen Unterschied, aber die Konzentration ist auch nicht sehr hoch.
Habe aber vor, im nächsten Jahr einen Test mit sehr viel Kaffeesatz zu machen, um zu schauen, ob das Koffein nicht doch schädlich ist.

@ hibiscus2

Vielen Dank für den Beitrag! Grundlegende Informationen und die Klassiker auf der Abbildung sind vorhanden, und das 1896.
Und was für ein wunderbares Land ist Amerika, wo man nicht barfuß gehen kann wegen der allgegenwärtigen Kakteendornen Very Happy

Liebe Grüße,
Jens
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Re: Was der Opa noch wusste - Kakteentipps von anno dazumal

Beitrag  Gilbert am Fr 10 Nov 2017, 01:19

Hallo, bei mir müsste die Überschrift eher heißen "Was der Vater schon wusste". - statt "der Opa noch".

Es geht um ein nicht ganz so sehr altes Buch, aber für mich war es doch erstaunlich:

In "The Cultivation of the Mesembryanthemaceae" ohne Jahreszahl, aber es dürfte in der 1. Auflage von ca. 1950 sein,
erwähnt Professor Gustav Schwantes schon das Cinosol zur Desinfektion. Und nicht nur für die Saat.
Man hat also schon vor rund (knapp) 70 Jahren Chinosol angewendet.

Ich lasse übrigens inzwischen das Chinosol bei den Saaten weg. Und wenn etwas grün wird, hat sich das ganz schnell mit Sagrotan-Spray erledigt.
Nachteile für die Keimlinge konnte ich bisher nicht feststellen. Das wiederum kannte Herr Schwantes noch nicht.
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Re: Was der Opa noch wusste - Kakteentipps von anno dazumal

Beitrag  CO2 am Fr 10 Nov 2017, 09:37

Lieber Michael (Gilbert),

vielen Dank für Deinen Beitrag! Es freut mich, dass ihr mitmacht.

Ich muss zugeben, dass ich bei auftretenden Verpilzungen bei "normalen" Pflanzen (meist aus dem Baumarkt) (bei Kakteen hatte ich noch keinen Pilz außer einmal Fusarium und da ist das ja witzlos) auch einfach Desinfektionsspray nehme. Das klappt und eine Schädigung ist mir da auch noch nicht aufgefallen.

Aber vielleicht haben da andere noch weitere Erfahrungen.

Viele Grüße,
Jens
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Re: Was der Opa noch wusste - Kakteentipps von anno dazumal

Beitrag  CO2 am Fr 10 Nov 2017, 09:40

Liebe Teilnehmer dieses Gesprächsfadens,

vor dem nächsten Beitrag möchte ich noch einen Tipp, oder vielmehr eine Empfehlung abgeben.

Die Bücher, die ich hier vorstelle und noch weiterhin vorstellen werde, besitze ich nicht, sondern ich habe sie mir aus unserer hiesigen Universitätsbibliothek ausgeliehen.

Nun habe ich sehr häufig mitbekommen, dass Leute, die entweder nicht studiert haben oder deren Studienzeit schon länger zurückliegt, sich in eine Universitätsbibliothek zu gehen scheuen, weil sie meinen, dass diese nur für Studenten da sei.

Das ist falsch! Jeder kann eine Universitätsbibliothek nutzen, und jeder Interessierte sollte sie meiner Meinung nach auch nutzen. Man muss nichts vorzeigen (außer dem Ausweis), und eine Lesekarte kostet (meist?) auch nichts, denn Uni-Bibs sind steuerfinanziert.

Wenn ihr also eine Uni-Bib in der Nähe habt: geht hin, lasst euch eine kostenlose Lesekarte machen (dauert fünf Minuten) und schon könnt ihr auch Bücher ausleihen (meist für einen Monat mit Verlängerung, falls möglich). Vllt. kann man die Bücher auch per Post zurücksenden; das muss man aber erfragen.

Uni-Bibs sind aus naheliegenden Gründen (meist) gänzlich anders aufgebaut und bestückt als Stadtbibliotheken und können für unser Hobby sehr nützlich sein. Schaut einfach im Online-Katalog (OPAC) eurer Uni-Bib nach, was es gibt (das kann jeder mit einem Internetanschluss).

[Gleiches gilt übrigens auch für Universitätskurse: wenn jemand Interesse an einem Kurs hat oder eine Frage an einen Professor oder sonstigen Angestellten, einfach eine Mail schreiben und fragen. Die meisten freuen sich, wenn Leute Interesse bekunden, denn meistens sind nur BWL, Jura, Medizin und dergleichen überfüllt! Im akademischen Bereich findet sich auch die gleiche Spanne von menschlicher Großartig- bis Niedrigkeit wie überall: d. h. die meisten dort sind sehr nett]

Darum mein "Tipp": Uni-Bib!


And now, Ladies und Gentlemen, the anticipated, longed for, and much desired next "Opa":

The famoooous...
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Re: Was der Opa noch wusste - Kakteentipps von anno dazumal

Beitrag  CO2 am Fr 10 Nov 2017, 09:51

... Curt Knebel!

Nun gut, ich kannte ihn vorher nicht, er war aber ein sächsischer "Phyllokakteen"-Züchter. Epiphyllum-Fans kennen ihn wahrscheinlich ohnehin.
Ich hatte vor, ein aus dem Buch eingescanntes Bild von ihm hochzuladen, aber hier findet sich bereits ein Bild zusammen mit einer Biographie über ihn:
http://www.epikakteen.de/06%20epiliteratur/knebel.htm

Da er ein erfahrener Züchter war, sind einige seiner Hinweise sicherlich nützlich.

Zu seinem Buch:

Curt Knebel: Phyllokakteen. Ein Buch von Züchtung und Pflege schöner Blumen. Bearbeitet und herausgegeben von Werner Engelhardt. Potsdam: Verlag Eduard Stichnote, 1951. 90 Seiten

Das Büchlein widmet sich weitestgehend seiner Züchtertätigkeit, aber auch der Geschichte der "Phyllokakteen". Man merkt dem Autor seine Begeisterung an, die er in häufige Schwärmereien kleidet. Das Buch ist in einem angenehmen Plauderton geschrieben (Kap. 1 heißt auch "Plaudereien um Phyllokakteen"), allerdings neigte Herr Knebel manchmal zur Weitschweifigkeit, z. B. S. 31: "Es ist uns zur festen Gewißheit geworden, daß nicht alles, was auf Erden von leben erfüllt ist, von Anfang an da war. Die Erde entstand nicht mit den heute vorkommenden Bäumen und Kräutern [...]".
Zum Status der Phyllokakteen schreibt er: "Um so überraschender ist es daher [weil Phyllokakteen so einfach zu halten sind; CO2] daß die Kakteenliteratur den Phyllos nur wenig Beachtung schenkt. Am abweisendsten sind die Kakteenzeitschriften" (S. 14).

Nach einem Abschnitt zum Namen und zur taxonomischen Einordnung sowie der botanischen Arten (der als historischer Abriss sehr lesenswert ist) kommt Herr Knebel zu seiner Tätigkeit und seinen Vorstellungen als Züchter, der er das nächste Kap. widmet. Er macht deutlich, dass häufig 24 Jahre vergehen, nur um die dritte Generation blühen zu sehen, weswegen Zuchtziele und Überlegung essentiell seien.
Hier bemerkt er, dass die richtige Partnerwahl ganz entscheidend sei: "Wie leichtsinnig werden oft Befruchtungen aus einer Laune oder "um einmal zu seien, was daraus wird" vorgenommen und dann entstehen Pflanzen, die womöglich noch verkauft werden und unglückliche ja schädliche Eigenschaften mit in die Welt nehmen [...]" (S. 34).
Er erwähnt in diesem Zusammenhang auch Kreuzungen mit Cereus cinnabarinus (jetzt Disocactus c.) (S. 43). (Auch Selenicereus lief da noch als Cereus).

Von S. 47-60 werden seine Züchtungen aufgelistet. Da ich keine Ahnung habe, habe ich auch kein Beispiel herausgegriffen. Falls jemand eine Frage zu der Züchtungsliste hat, kann er sie gerne stellen (sofern es nicht ohnehin eine Liste im Internet gibt).

Hier ein paar aufgrund ihrer Besonderheit (jedenfalls für mich) ausgewählte Pflegetipps:

Aussat

Zunächst warnt er natürlich davor, Samen auszusäen, wenn man exakt die gleiche Pflanze haben möchte, da als Kreuzungsprodukt die nächste Generation ja eine andere phänotypische Verteilung zeigt.

"Die Fruchtmasse [des Phyllokaktus; CO2] wird, nach Ablösung der Schale, auf ganz trockenem Sand zerdrückt und damit so lange durchgearbeitet, bis die Feuchtigkeit vom Sande aufgenommen und eine streufähige Mischung entstanden ist. Diese wird dann auf die vorher fertig gemachte Aussaatschale auf die Erde gebracht und angedrückt" (S. 62-3).

"Hohe Keimungstemperaturen sind nicht erforderlich" (S. 63).

Er weist noch daraufhin, dass der Keimungsprozess bis zu drei Jahren dauern kann.

Stecklinge

"Das Einpflanzen erfolgt ohne alle Eile [...] und es vergehen oft genug Monate bis dahin, so daß die [...] Stecklinge bei ihrer trockenen Lagerung unter der Stellage eines kühlen Gewächshauses oft pergamentartig zusammengetrocknet sind". (S. 65)
Diese Stecklinge werden dann in einen Topf gebracht und etwas gegossen. "Auf diese Weise machen die Stecklinge leicht Wurzeln. Der Ausfall ist noch nicht einmal 1%" (S. 65).

"Man stutzt daher solche Stecklinge rechtzeitig und zwingt sie dadurch zum Durchtreiben der seitlichen Augen" (S. 66).

Auch bei "wurzelfaul" gewordenen Pflanzen, also solchen, die nicht richtig wurzeln wollen, habe sich das erneute bewurzeln bewährt (S. 65).

Ableger

Anstatt Stecklinge zu schneiden empfiehlt Herr Knebel, gewisse Triebe auf Substrat aufzulegen, Wurzeln treiben zu lassen und dann erst abzunehmen (S. 67).

Umtopfen

Solle möglichst im September in der Ruhezeit erfolgen (S. 69).

Blüten

"Jede Areole bringt nämlich nur eine Blüte" (S. 69), weshalb man nach einiger Zeit auslichten, d. h. alte Triebe entfernen kann, wenn die Pflanze groß genug ist.

[An die Kenner unter euch: stimmt das? Bringt jede Epiphyllum-Areole in ihrem Leben nur eine Blüte hervor?]

Die Pflanze auszulichten, um mehr Blüten zu erzielen, empfiehlt er nicht (ibid).

"Hungerkuren" erhöhten zwar die Blühwilligkeit, schwächten aber die Pflanze, weswegen sie Herr Knebel nicht empfiehlt (ibid).

Erde

Hybriden bräuchten eine gehaltvollere Erde als die botanischen Arten (S. 70).

Gießen

Man solle kein erwärmtes Wasser nehmen, da man auf diese Weise die Pflanzen nicht verweichliche (S. 71) und möglicherweise Verpilzung vorbeuge (S. 72).

Überwinterung

(Diese Infos gebe ich nur wieder, weil sie ein Zeitzeugnis sind: Und zwar schreibt er, der Winter 1946/7 sei ja so verheerend gewesen, dass viele Phyllokakteen eingegangen sind [wobei das damals wohl das geringste Problem war]. Seiner Erfahrung nach helfe nun bei Frostgefahr (!) bei frostgefährdeten Phyllos das komplette Einpacken der Pflanze (S. 74-5). Dazu: "Große Hitze, vor allem ein zu heißes Klima, sind dagegen wesentlich gefährlicher" (S. 75)).

Krankheiten

Glasige, dann rostartig gefärbte Flecken: Ursache sei eine "Stoffwechselstörung infolge Erkältung" (S. 77), bedingt durch Zugluft. Abhilfe schaffe Abhärtung durch Frischluft (S. 78).

Knospensucht (Blastomania) sei wohl das Gegenstück zur Kristatbildung (S. 79).

Wolläuse: der wollige Schutz der Tiere werde am einfachsten zerstört und die Wolläuse dann getötet durch das Bestreichen mit Brennspiritus (S. 80).
Herr Knebel habe damit sehr gute Erfahrung gemacht und die Pflanzen seien nicht geschädigt worden. Der Spiritus werde auch verdünnt mit Reinnikotin und Wasser verwendet. "Wenn von anderer Seite vor der Verwendung von Brennspiritus gewarnt wird, so dürften nach meiner Ansicht doch wohl andere Ursachen für schlechte Erfahrungen verantwortlich zu machen sein [als Pflanzenschädigung; CO2]" (S. 80).

Das beste sei aber, die Schädlinge mit einem Wasserstrahl abzuspritzen.

Abfall der Knospen

Dass die Veränderung der Stellung daran schuld sei, daran glaubt Herr Knebel nicht (S. 80). Vielmehr sei es nötig für den Krafthaushalt der Pflanzen und daher völlig normal (S. 81).
"Nur mißhandelte Pflanzen pflegen bis zur Erschöpfung ihrer letzten Lebenskraft um jeden Preis sich förmlich totzublühen" (ibid).
Eher liege das Knospenabwerfen in einer zu trockenen Überwinterung wegen des Einbüßens der feinen Wurzeln (ibid).


So weit meine Auswahl von Curt Knebels Buch. Die vielen weiteren Hinweise bei ihm dürften allgemeinhin verbreitet sein und habe ich auch schon woanders gelesen.

Bin gespannt, was ihr zu den Tipps zu sagen habt!

Viele Grüße,
Jens
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Re: Was der Opa noch wusste - Kakteentipps von anno dazumal

Beitrag  Shamrock am Fr 10 Nov 2017, 11:08

Jens, ich danke dir für dein unterhaltsames, kurzweiliges Engagement!
Auch die Empfehlung der Uni-Bibliotheken kann ich nur gutheißen, selbst wenn ich persönlich diese Orte lieber meide, weil ich mich da immer plötzlich so schrecklich alt fühle.

Auch das leidige Thema "Kakteenzeitschriften" war damals schon genauso modern wie heute. Auch heute jammert man ja schließlich gerne, dass diese und jene Gattung nie in der KuaS auftauchen, dass die Kakteen aus XYZ sowieso immer viel zu kurz kommen und überhaupt sind sowieso viel zu viele aS in der KuaS... Vielleicht hätte Herr Knebel einfach den einen oder anderen Artikel mehr für diverse Kakteenzeitschriften schreiben müssen, dann hätte er nicht jammern müssen. Keine Ahnung ob das damals schon so einfach war wie heute - aber heute ist das ja wirklich überhaupt kein Problem mehr. Klappe halten, ran an den PC und schon hat man seine Lieblingsgattung in einer Kakteenzeitschrift. Nur mal so kurz am Rande.


Seine lapidaren Anmerkungen zur Hybridisierung finde ich allerdings extrem gefährlich und leichtsinnig:
CO2 schrieb:Hier bemerkt er, dass die richtige Partnerwahl ganz entscheidend sei: "Wie leichtsinnig werden oft Befruchtungen aus einer Laune oder "um einmal zu seien, was daraus wird" vorgenommen und dann entstehen Pflanzen, die womöglich noch verkauft werden und unglückliche ja schädliche Eigenschaften mit in die Welt nehmen [...]" (S. 34).
Etwas treffender stellen diesen Sachverhalt Fleischer & Schütz in ihrem "Kakteenpflege - Eine Anleitung" dar. Klar, dieses Buch ist ja auch deutlich moderner und neuer (1978), da war man halt schon etwas schlauer - und schreibt:
"Bei Rosen, Dahlien, und anderen Zierpflanzen will man durch Kreuzung immer neue Kultivare hervorbringen. Dagegen schätzt man bei Kakteen grundsätzlich nur die reinen, botanischen Arten. Deswegen ist darauf zu achten, daß bei der Befruchtung nicht etwa hybridisierte Samen entstehen. Verdächtige Früchte sollte man lieber vernichten. Die Hybridisierung ist nur für Untersuchungen oder die Forschung zulässig."
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. So, und jetzt halt ich lieber die Klappe, bevor unsere Hybridenzüchter hier nie mehr ein Wort mit mir wechseln. Wink  

Soweit ich weiß, bringen die meisten (wenn nicht sogar alle? Da müsste ich jetzt auch erstmal weitere Literatur wälzen) Kakteenareolen nur eine Blüte in ihrem Leben hervor (gut, manche halt auch zwei, drei auf einmal). Deswegen gibt´s ja beispielsweise bei etlichen Mammillarien so schöne Blütenkränze. In dem Fall erscheinen die Blüten aus den jungen Axillen des Vorjahreswachstums.

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Re: Was der Opa noch wusste - Kakteentipps von anno dazumal

Beitrag  nordlicht am Fr 10 Nov 2017, 16:16

Shamrock schrieb:Jens, ich danke dir für dein unterhaltsames, kurzweiliges Engagement!
Auch die Empfehlung der Uni-Bibliotheken kann ich nur gutheißen.

Soweit ich weiß, bringen die meisten (wenn nicht sogar alle? Da müsste ich jetzt auch erstmal weitere Literatur wälzen) Kakteenareolen nur eine Blüte in ihrem Leben hervor .

Moin,

Dem Dank schließe ich mich sehr gerne an. Wenn es die Möglichkeit gibt, Bücher als Datei auszuleihen, egal welches Dateiformat, dann wäre es für mich ideal. Ich werde das mal prüfen.

Ich bin ja noch ein Kakteenanfänger, aber meine Rebutien schieben seit zwei Jahren die Blüten ringförmig am Fuß der Pflanze. Wandert der Blütenkranz mit zunehmendem Alter dann in die Höhe? Wenn nicht, dann wären Rebutien schon die erste Ausnahme Smile

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Re: Was der Opa noch wusste - Kakteentipps von anno dazumal

Beitrag  abax am Sa 11 Nov 2017, 20:10

Hallo Günther
"meine Rebutien schieben seit zwei Jahren die Blüten ringförmig am Fuß der Pflanze. Wandert der Blütenkranz mit zunehmendem Alter dann in die Höhe? Wenn nicht, dann wären Rebutien schon die erste Ausnahme ":
Nein, das scheint nur so, die Pflanze wächst oben weiter und unten schrumpfen die alten Warzen zusammen und sterben irgendwann ab. Deshalb bleibt der Blütenansatz bei den Rebutien immer unten, weil eben "neue alte" Warzen nach unten wandern.
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Re: Was der Opa noch wusste - Kakteentipps von anno dazumal

Beitrag  CO2 am Di 21 Nov 2017, 22:27

Lieber Matthias, lieber Günter, lieber Stefan (abax),

habt vielen Dank für eure Antworten! Es freut mich, dass an diesem Thread Interesse besteht.

Bisher habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, wie viele Blüten aus einer Areole kommen können, aber das ist schon eine interessante Frage.

Leider habe ich momentan nicht viel Zeit, um dazu zu recherchieren. Trotzdem habe ich ein paar Infos.

Im "Cactus Primer" von Arthur C. Gibson und Park S. Nobel (den ich allerdings noch nicht komplett eingesehen habe) findet sich folgende sehr einleuchtende Erklärung:

"[...] but, of course, the areolar meristem is also capable of producing a flower. After the areolar meristem has produced spines, it can be stimulated to become broader and then develop directly into a sessile cactus flower. Once the areole becomes a flower, however, the meristem is used up, and no more primordia can be formed from that particular dome of cells; the areole is therefore retired. In fact, in many cacti cork forms beneath the fruits, either before or after the fruit is completely ripe; the cork seals the areole from the stem and prevents future water loss and infection. Consequently, if the meristem has produced a flower, then no new shoots can ever arise from that particular areole, unless there is another meristem (for example, an axillary bud of a spine) that is hidden in the areole" (S. 113).

An anderer Stelle steht, dass bei Pachycereus marginatus, Lophocereus und Myrtillocactus pro Areole mehrere Blüten entstehen können und das auch über mehrere Jahre hindurch (S. 116).
Hingegen sei mehrjährige Areolen-Blütenbildung bei Neobuxbaumia mezcalaensis noch nicht gesichert (ibid.).

In "Cacti: Biology and Uses", hsg. von Park S. Nobel, findet sich ebenfalls die Info, dass bei den meisten Kakteen jede Areole nur eine Blüte produziert (S. 36). Als Ausnahmen werden hier angeführt Neoraimondia und Neocardenasia, bei denen "axillary buds can produce several flowers simultaneously and are active year after year" (ibid.); hierzu wird auf eine Studie von 1997 verwiesen.

Interessant ist noch: "[...] the "arms" (branches) of saguaros typically arise in the region where flowering has already occurred but from an areolar meristem that did not produce a flower. No experiments have apparently been conducted on any cactus to determine what factors cause a particular areole to produce either a flower or a shoot" ("Primer", S. 113).

Das würde heißen, dass bei manchen Kakteen die Areolen nur einmal eine Blüte produzieren und bei manchen auch mehrmals, je nach dem, ob noch ein Meristem vorhanden ist bzw. ein solches nicht versiegelt wurde.

Hat zu diesem interessanten Thema noch jemand Ideen, Kenntnisse oder Erfahrungen?

Viele Grüße,
Jens

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